Geschichte unserer Wanderwege

 

Der Fremdenweg

Der Fremdenweg ist der erste Wanderweg in unserer Nachbarlandschaft, der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, deren älteste touristische Route. Der Weg wurde damals noch nicht offiziell ausgewiesen oder markiert. Es gibt auch keine alten Karten des Fremdenweges. Seine Geschichte lässt sich aber seit 1790 aus der Reiseliteratur und aus alten topographischen Karten recht exakt rekonstruieren und dabei ergibt sich eine viel begangene Hauptroute. Im 19. Jh. waren die Fremdenführer ja lange Zeit daran interessiert, dass sie die Gäste führten, gar trugen. Es waren vor allem die Künstler, die Maler, die sich im Elbtal niedergelassen hatten und nun unerschrocken die wilde, aber schöne Natur erkundeten. Mit ihren Gemälden, Zeichnungen und Stichen öffneten sie dem Bürgertum die Augen für eine phantastische Landschaft. Vorreiter waren dabei die Schweizer Zingg und Graff (die den Begriff "Sächsische Schweiz" prägten, danach u.a. C.D.Friedrich, Carus, später A.L. Richter, die auch unser Zittauer Gebirge besuchten.

 

Erste Fernwanderwege

 

1904    Kammweg    Jeschken-Rosenberg, bald erweitert bis Hainberg bei Asch und Schneekoppe einbezogen, danach gar Wartburg-Altvater entlang

             der Kammlinien von Thüringer Wald, Elstergebirge, Erzgebirge, Böhmischer Schweiz, Lausitzer Gebirge, Jeschkengebirge, Iser- und Riesengebirge,

             Glatzer Schneegebirge und Altvatergebirge. Dieser Weg war anfangs der längste Touristenweg im deutschsprachigen Raum.

1906    Kegelweg    Jeschken-Milleschauer/Donnersberg (Verschönerungsvereine Leipa, Niemes, Gebirgsverein für das Jeschken- und Isergebirge sowie die Leitmeritzer und Lobositzer

             Mittelgebirgsvereine)

1911    Nördlicher Kammweg       von Görlitz nach Königsbrück über Löbau - Demitz-Thumitz – Butterberg - Keulenberg      (Lusatia)

1912    Lausitzer Landweg    (Lange Leitung) Kamenz-Butterberg-Kottmar-Oderwitzer Spitzberg-Breiteberg-Jonsdorf, bald

             bis zum Hochwald, ab 1922 über Leutersdorf   (Lusatia)

1929   Saar-Schlesienweg     schönster und längster deutscher Fernwanderweg über die Kämme der Mittelgebirge (wurde in der OL von der Lusatia

             betreut)       

 

                                                          1928                                      1955

 

 

In der Sächsischen Schweiz wurden Maßstäbe in der Markierung und Beschilderung für ganz Deutschland gesetzt. Diese Vorbildrolle besteht bis heute!

 

1888 gab es die Zentralsitzung des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz (am 3.10. in Pirna)

Das Ergebnis waren die  „Grundzüge über die Wegebezeichnung mit Farben“ : an Bäume aufgemalte Striche oder Punkte (praktiziert zuerst am Weg zum Kuhstall)

1909:  Grundsätze für die neue Wegebezeichnung im Gebiet der Sächsischen Schweiz

1914: es werden Befestigungsort, Häufigkeit der Wegemarken, Genehmigungspflicht, Markengröße und Farben beschrieben sowie handwerkliche Tipps gegeben

1914-18 wurden Ortswegemeister berufen, diese waren Mitglieder im zentralen Wegeausschuss des Gebirgsvereins

1926 Verzeichnis der farbig bezeichneten Wanderwege erscheint

1929 - 37 ist der Studienrat Arno Emmerich aus Sebnitz Vorsitzender, dann

1938 - 45  Johannes Lehmann aus Heidenau

Arno Emmrich, Studienrat aus Sebnitz, führt 1929 die Saar-Schlesien Kennzeichnung ein (als kleine Zusatzbezeichnung zunächst), ab 1935 dann

als eigenes Markierungszeichen: blaues Andreaskreuz bis 1986

1930 gegenüber vom Bahnhof Sebnitz  wird die erste Wandertafel angebracht:   2,5 x 2 m

1929/30  Jahresbericht: „Unsere Sächsische Schweiz gehört heute unbedingt zu den bestbezeichneten Wandergebieten Deutschlands“

man hatte  auch ein Wegekarten-Heft herausgebracht

1928 Flößersteig gelb markiert  (vom Forstamt)

1935  Polenztal und  Wesenitztal erschlossen

1936  Sebnitztalweg: rotes Dreieck

1939  wurde festgelegt: weiße Schrift steht auf grünem Schild, Ziele sind in der Reihenfolge des Erreichens und Entfernungen in km (oder Stunden/Minuten)

anzugeben, Markierung: weißes Quadrat 15x15 cm gemalt oder Blech angenagelt mit Kupfer- oder verzinkten Nägeln bei Nutzhölzern

Alle Einrichtungen zur Markierung genießen behördlichen Schutz

Im Krieg 1939-45 verfiel leider vieles

Bautzen: Paul Röber, Sebnitz: Emil Weichholz     - Kreiswegewarte

1955 hatte man zentral  noch keine Mittel, nur sporadisch örtliche Initiativen, man ging zu Tischlern und Klempnern und bat um kostenlose Hilfe

Beschluss in Bad Schandau für die Kreise Sebnitz + Pirna:

Grüne Schilder mit 1 cm  weißem Rand (tannengrün vorn und hinten) + weiße Antiqua-Schrift, 1 Stunde = 4 km

Zuvor gab es keine Einheitlichkeit, z.B. im Zittauer Gebirge weiße rechteckige Wegweiser als Holztafeln mit schwarzer Schrift

1956  erste Übersichtstafeln mit markierten  Wegen in Hohnstein, am Ungerturm, Lichtenhainer Wasserfall, Zeughaus,

Schüler sammelten alte Nägel und klopften sie gerade

1956 am 21. März in Berlin Tagung der Natur- und Heimatfreunde im KB:

   -Hauptwanderwege werden festgelegt und kartografisch erfasst

   -Orts-, Kreis- und Bezirksaktive werden gebildet

   -Die Wegemarkierung ist auch ein Anliegen des Heimatkundeunterrichts und unterstützt diesen sehr

   -1968  im Kreis Sebnitz wurden Mittel eingeplant, Gesetzlichkeit über die Wanderwege kam für die ganze DDR

1972 Tagung in Ostrau: nur noch 4 Farben, Strich, Punkt, Kreuz, Quadrat, Dreieck

1974  in seiner  AG macht Rolf Gullich in Sebnitz als Werkenlehrer mit den Kindern Schwarten für Wanderschilder, auch Bänke werden gebaut,

           sie sammelten Müll ein, bauten Geländer, Nistkästen, pflanzten Bäume...

Utensilien und Ausrüstung (Wanderschuhe, Anorak) wurden vom Kreiswegewart als Belohnung ausgegeben, ebenso Reisen für eherenamtliche Arbeit angeboten, Schulungen

1986  Beschluss am 17.2. in Dresden:  nur noch Strich + Punkt + grün-diagonales Lehrpfadzeichen als Markierung, blau + rot mit Vorrang, gefolgt von grün und gelb

Eine Vereinheitlichung der Wegemarken hatte damals vor allem die ČSSR gefordert, da man dort, wie auch in Polen, nur Strichmarkierungen

verwendete  und auch der Fernwanderweg Eisenach-Budapest 1983 entstanden war. 

 

In Leutersdorf übernahm ich das Ehrenamt als Wegewart 1976.  Hier hatte es nur noch minimale  Reste einer Markierung gegeben,

Wanderschilder waren ganz verschwunden, Tafeln keine vorhanden, die meisten Bänke verfallen. So baute ich wie meine Kollegen in vielen  anderen Orten der Kreise Zittau und Löbau in dieser Zeit ein neues Wegenetz auf, das die Kreiswegewarte Eberhard Götze aus Zittau und Walther Stavenhagen aus Eibau entworfen hatten. Vieles dabei stützte sich auf alte Wanderwege. Nach dem Vorbild von Rolf Gullich in Sebnitz bezog ich meine Schüler dabei ein. Sie kontrollierten Wege und besserten Markierungen aus. Viele Wanderschilder erhielten zur Abdeckung Schwarten. Gemeinsam stellten wir 10 Bänke an landschaftlich schönen Stellen auf, deren Einzelteile wir gestrichen und zusammengebaut hatten. Zum Beispiel ist die Wegweisergabel in der Folge  eine solche Schülerarbeit von 1987. Der Vater eines Schülers arbeitete beim Forst und besorgte eine Holzgabel. Die Schüler schälten die Rinde und nach längerer Trockenzeit kam eine Lasur darüber. Der Bauhof half uns mit dem Fundament. Die Kosten waren somit gering. Die Wanderschilder holte ich früher vom Tischler und ließ sie dann nach meinen Enrwürfen von der Schriftmalerei in Neugersdorf (PGH) fertig stellen. Heute werden Wanderschilder bedruckt und somit ist Holz dafür wenig geeignet.

Es gab eine AG Wandern, die ich leitete. Jeweils einen Sonnabend im Monat ging es auf Tour. Als Alternative zu den Ferienspielen bot ich ein 14-tägiges "Wanderlager" an. Jeden Tag wurde mit dem Zug ab Leutersdorf ein Wandergebiet angefahren.

Wer schon im Schüleralter im Mittun um das Hervorheben der Schönheiten unserer heimatlichen Landschaft einbezogen war, kommt auch später gewiss nicht auf den Gedanken sinnloser  Zerstörung.

 

Text und Abbildungen: Dietmar Eichhorn, Wegewart und Gästeführer Leutersdorf

eingestellt 12 / 2020

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