Willkommen in Leutersdorf

                                 Pascherrunde Leutersdorf

                                                                                                        

 

A Karasekschenke Neuwalde – B ehem. Kreibichschenke – C Lindeberg / Bank mit Aussicht – Neuleutersdorf / Dörfel – Alois-Scholze-Straße – D Dörfelkreuz – E kathol. Kirche Mariä Himmelfahrt  – F  ehem. Gasthäuser Hampel und Alte Pfütze – Grenzweg – G Bergwerk / ehem. Großer Hennersdorfer Teich – H Folge – I  Zeile – J Sorgeweg – K Sorge/Wettineiche – L  Neuer Friedhof / Grab Marie von Koenneritz – M Gemeindeverwaltung Leutersdorf - N ehemaliger Mittelkretscham - Parkplatz an der evang. Christuskirche – Gässel – Uferweg – O Oberkretscham (Pension/Gasthof) – Obere Schule – P  „Schloss“ / ehem. Rittergut Oberleutersdorf I – Q Heinrichshöhe/Sportplatz – Mühlenweg –  R Wacheberg/Panoramaaussicht/Karasekbank – Karasekschenke

 

                         

                          Enklavegrenze blau, Wanderweg Pascherrunde weinrot                                                                     GeoSN, dl-de/by-2-0,

 

Wie eine Insel in der Oberlausitz lag bis 1849 dieses böhmische Gebiet. Es verblieb wie auch Schirgiswalde, Niedergerlachsheim und Günthersdorf (beide heute in Polen) bei Böhmen als die Oberlausitz 1635 von Böhmen zu Sachsen kam. Grenzverhältnisse solcher Art machten sich Räuber, Wilderer und Schmuggler zu Nutze. In der Kreibichschenke hatte Räuberhauptmann Karasek sein Quartier. Er verübte mit seiner Bande Einbrüche im böhmisch-sächsischen Grenzgebiet und tauchte immer wieder in der Enklave unter. 1800 wurde ihm sein Handwerk gelegt als er gar in Oberleutersdorf einbrach. Als 1834 Sachsen dem Zollverein beitrat, wurde die Enklavegrenze zu einer bewachten Zollaußengrenze. Das brachte für Niederleutersdorf einen umständlichen Warenverkehr und Verteuerungen. Die Bewohner litten sehr darunter. Die Zeit der Pascher hatte Hochkonjunktur. 1835 wurde die hiesige Schmugglerbande um Pascherfriedel im Höllengrund des Neugersdorfer Waldes gestellt. Dabei wurden 3 Mann erschossen.

 

                                                       

 

Wir beginnen unsere Pascherrunde an der Karasekschenke, dem ehemaligen Forsthaus.

 

                                                       

 

Den Karasekweg wandern wir hinab  und gelangen zum Anwesen  der Familie Donath, früher Neumann. Hier unterhalb auf der Wiese stand einst die berühmte Kreibichschenke. Ihren Namen erhielt sie, weil mehrere Mitglieder der Familie Kreibich hier tätig waren.  Bis Juli 1800 war es immer wieder der Aufenthaltsort des legendären Räuberhauptmannes Karasek. Der Standort ist auf dem grünen Schild beschrieben  und auf einer Tafel eingezeichnet (Lageskizze, Sitzgruppe). Dabei waren dem Gasthaus unter dem Namen Kreibich nur 2 Jahre beschieden, doch die waren „intensiver“ Familienbetrieb. Viel länger war sie als Gerichtskretscham  Neuwalde zuvor im Klingerschen Besitz gewesen. Johann und später Anton Klinger waren auch Richter. Dumm nur, Anton Klinger war Mitglied der Karasekschen Bande. Er saß mit Karasek im Dresdner Festungsbau ein und hatte das Glück, rekrutiert zu werden. Als er 1809 aus dem Kerker und dem Krieg zurück nach Niederleutersdorf kam und bald heiratete, stand sein Haus in Neuwalde schon nicht mehr. 1798 erwarb den Gerichtskretscham jedenfalls Johann Georg Kreibich Jun., der Bruder von Magdalena. Diese hatte bereits am 29.9.1795 Johann  Karasek in der Hofkirche zu Dresden geheiratet Joannes/Jan Nepomuk Karasek (1764-1809), deutsche Schreibweise Johannes Karaseck, stammte  aus  Smichov, welches heute zu Prag gehört. Die damaligen Grenzverhältnisse begünstigten die Raubzüge der Räuberbande, denn die Ortsteile Niederleutersdorf, Josephsdorf, Neuleutersdorf und Neuwalde waren bis zum 1849 erfolgten Austausch mit Sachsen eine böhmische Enklave. Im Rechtsknick des Karasekweges erreichen wir den Waldrand des Lindeberges. Falls wir rasten wollen, können wir das, indem wir hier 50 m rechts abbiegen und auf eine Sitzgruppe mit der Lageskizze zur Kreibichschenke stoßen.

 

                             

            Lageskizze der Kreibichschenke                                                                                                                                       Bilder von Michael Zöllner

 

Ansonsten gehen wir gerade aus in den Wald hinein und bergan. Unter Lindeberg verstand man früher den Gesamtkomplex bis zum Wacheberg. Ostwärts geht es ein Stück durch den Wald des Lindeberges. An der Waldecke kommen wir heraus und  haben hier einen sehr schönen Ausblick: Die Bank, die 1934 hier aufgestellt worden war, ist 2018 erneuert worden.  Als  Ortsflurgrenze zwischen Niederleutersdorf und Neuleutersdorf ging lange Zeit schnurgerade ein Feldweg bis zum Richtergärtner nach Osten hinunter. Schön liegen halb rechts der Große Stein, der Forstenberg und der Warnsdorfer Spitzberg (CZ). Gerade aus sind die  Kuppen vom Oderwitzer Spitzberg und Hofeberg ein wenig zu sehen.

 

                                                                                 

 

Wir kommen am Haus mit der Nummer 20 vorbei, welches  1978 umgebaut wurde.  Der Vorgängerbau war einst als Liechtensteinisches Waldarbeiterhaus das erste Haus von Neuleutersdorf (des Dörfels). Wir gehen weiter hinunter den gepflasterten Weg am Waldrand des Lindeberges (Gemeindewald) an der Pension Langer vorbei. Bis 1950 stand hier rechts dahinter das Hoferichterhaus am Waldrand, Mauerreste gab es noch länger. Wir überqueren nun die Bergstraße. Dies war die Alte Rumburger Straße. Sie  verlief vom alten Meierhof  aus über die heutige Bergstraße, kreuzte dann an unserer Flurgrenze den Dreieckerweg und ging südlich der Quarzgruben und des Waldschlösschens weiter.  Hinter dem heutigen Komplex der alten Zollabfertigung von 2000 "kreuzte" sie gewissermaßen die neue Umgehungsstraße von Neugersdorf. Sie führte dann als  Leutersdorfer Weg unterhalb des Annaberges vorbei zum alten Liechtensteinschen Schloss in Rumburg.  An der Pension Langer gehen wir also rechts vorbei und biegen sogleich wieder links ein in die Alois-Scholze-Straße. Welch tolle landschaftliche Lage hat doch das Dörfel! Kein Wunder, dass die letzten Lücken zum Hausbau genutzt werden. In dieser ruhigen und abgeschiedenen Gegend  hatte die Wehrmacht im Haus Nr. 16 in den letzten Kriegstagen 1945 eine Kommandantur. Am Waldweg 2 wohnte früher der Drechsler Anton Thiele, in Nr. 1 der Maler Florian Grünwald. Der Zufall wollte es, dass auch danach mit Michael Zöllner wieder ein Maler hier einzog (Nr. 2). Das Haus ziert ein Karasekbild.

 

                                                                      

 

Die Pascherrunde führt uns jetzt auf der Alois-Scholze-Straße weiter und wir kommen am Dörfelkreuz von 1823  vorbei. Bereits 1798 war hier das erste Kreuz aus Holz errichtet worden. Man gehörte kirchlich zu Warnsdorf. Hier wohnte Johannes Karaseks Tochter Veronika (1797-1866). Sie war von Magdalena als Ziehkind angenommen und gepflegt worden. Als Magdalena und ihr Ehemann, Veronikas Vater,  im Gefängnis saßen, nahm Tante Theresia (eine geborene Kreibich) sie mit zu sich nach Taubenheim.

 

                                                                      

 

Gleich vor dem katholischen Pfarrhaus steht ein Umgebindehaus links weiter oben, das Schneiderhäusel, benannt nach Bruno Schneider, dem einstigen Küster. Hübsch vorgerichtet ist es heute wie so viele Gebäude in unserem Ort.

 

                                                                                 

 

Wir erreichen die katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt (links). Die einschiffige Saalkirche ist auch baugeschichtlich, kunstgeschichtlich und landschaftsprägend von Bedeutung. Uns fällt vor allem die gemusterte farbige Dachgestaltung auf. Der Kirchturm ist gut 41 m hoch. 1862 im neugotischen Stil errichtet, geht dieser Bau, wie auch der der evangelischen Christuskirche an der Sachsenstraße drei Jahre später, auf einen Entwurf des Architekten Carl August Schramm  zurück. Der Zittauer war Schüler von Karl Friedrich Schinkel und hat in der Oberlausitz mehrere Bauwerke hinterlassen, vor allem Kirchen, Rathäuser, Schulen  und Amtsgebäude. Er war Stadtbaumeister, Direktor der Baugewerkeschule (welches auch sein Bauwerk ist) und Träger des Sächsischen Albrechtsordens.

Wir überqueren die Seifhennersdorfer Straße und  biegen rechts in den Grenzweg ein, der nicht umsonst so heißt. Das war auch die alte Verbindung nach Seifhennersdorf. Links das Wohnhaus ist das ehemalige Gasthaus Hampel/Klinger. Ein Stück unterhalb stand die Dörfelschenke ("alte Pfütze").

 

                                             

 

Das Gelände dient heute als Lagerplatz der Firma Raiss (Baustoffe). Die Birke zeigt uns den Standort des ehemaligen Gasthauses an, denn Peter Hampel hatte sie 1946 vor dem Hause gepflanzt! Das Gebäude wurde 1999 weggerissen  wie auch daneben das Nachfolgegasthaus „Sächsische Schweiz“ und die „Berufsbekleidung“/Schuhfabrik Joukl&Otto von 1927. Wobei die neue Sächsiche Schweiz erst 1904 vom Geselligkeitsverein erbaut worden war. Die alte Pfütze (das war seit 1862 offiziell die alte "Sächsische Schweiz", sie hieß vorher „Zum Wellington“) war wohl schon zu Karaseks Zeiten legendär. Man tanzte barfuß auf der Tenne, später kam ein Saal hinzu. Es wird berichtet, dass mitunter auch Bierseidel und Stuhlbeine durch die Luft flogen. Berühmtester Gast war Karasek. Hier trafen sich später auch die  Pascher zur Vorbereitung ihrer „Züge“ (HENKE  schildert solche Überlieferungen 1927). 1834 hatte das Paschen seinen Höhepunkt erreicht (siehe dazu auch Gemeindeblatt 4/2009 S.6-8  und das Buch Pascherfriedel). 

Wir biegen nun links in den Gartenweg ein und kommen  unserer Flur- und Enklavegrenze bald wieder recht nahe. Gleich hinter den Bahnschienen, die parallel zum Nordufer des ehemaligen Zittauer Teiches (auch Großer Hennersdorfer Teich oder Seyfenteich genannt) liegen, führte die Enklavegrenze einst durch diesen Teich. Auf der alten Karte von 1782 sind alle Leutersdorfer Gewässer deutlich zu erkennen (Gemeindeblatt 3/2011). Jüngere Karten zeigen den Umriss oft nur grob oder gar nicht, da der Teich ja bereits 1803 verschwand. Er erstreckte sich bis in den Bereich des heutigen renaturisierten Ascheplanes westlich des Dammweges und in die unmittelbare Nachbarschaft des Gartenweges und Grenzweges. Reste von Schilf deuten hier auf eine ehemalige Wasserfläche hin. In den Kiesweg biegen wir nun ein und bald überqueren wir den  Meiereiweg. Der Name  weist uns darauf hin, dass hier einst ein Meierhof stand. Als der Hof 1777 abbrannte, wurde er nicht mehr aufgebaut. Viele Bewohner hatten hier auf Feldern oder im Wald der Liechtensteinischen Herrschaft Arbeit gehabt. Oberhalb des Hofes wurden die Flächen  bekanntlich parzelliert und günstig verkauft. So entstand  schließlich Neuleutersdorf. 1790 waren es schon 33 Häuser, 1806 bereits 44. Interessant ist auch, dass Wasserröhren aus dem  Gutsbrunnen (Eschborn) des ganz alten Vorwerkes von 1581 hinter dem Wiesenweg 3 (ehem. "Kieferbäckn" / -Bäcker)  nach dem Meierhofe geführt haben. Dieses Vorwerk (falls es existierte) war wohl nur eine im  Sommer betriebene landwirtschaftliche Außenstelle der Rumburger Herrschaft, noch vor der Parzellierung und Entstehung von Neuleutersdorf auf Niederleutersdorfer Flur. Geradeaus weiter geht es über einen Fußweg zur Bergwerkstraße. Hinter den Bahnschienen verlassen wir das Enklavegebiet.

 

                                                                                 

 

Das grüne Schild hinter der Bergwerksbrücke über das Leutersdorfer Wasser weist uns auf frühere Bergwerksversuche zum Abbau von Braunkohle im Tiefbau hin. Außerdem liegt die tiefste Stelle der Ortsflur unweit von hier, alles auf dem ehemaligen Grund des Zittauer Teiches. Wir gehen weiter nach Süden und erreichen den Mönchsbergweg. Oberhalb des ehemaligen Silos gibt es botanische Kostbarkeiten auf der unter Naturschutz stehenden Grenzfischelwiese.

 

                                                                                        

 

Unsere Pascherrunde führt aber mit dem gelben Strich durch Roschers Büschel links weiter zur Folge. Dieser kleine Ortsteil gehörte bis 1956 zu Seifhennersdorf. Über die Zeile wandert man  dann auf dem hier mitlaufenden Fernwanderweg Zittau-Wernigerode entlang der alten Enklavegrenze. Nach dem Überqueren der Spitzkunnersdorfer Straße geht man auf dem Sorgeweg weiter. Zuvor könnte man in der Landfleischerei Herzog Rast machen (60 m rechts). Wochentags wird hier Mittagstisch angeboten.

 

                                                                                          Foto R. Sampedro, SZ

 

Auf der Anhöhe erreichen wir die Raststelle mit der Sitzgruppe (Info- und Orientierungstafel). Unsere Pascherrunde führt uns nun gemeinsam mit dem gelben Strich und dem Oberlausitzer Bergweg/Fernwanderweg Zittau-Wernigerode weiter nach Norden.

 

                                                                                      

 

Vor dem ersten Haus der Sorge erreichen wir Mittelleutersdorfer Flur und verlassen damit die ehem. Enklave (Grenzstein links am Feldrand). An der Wettineiche belehrt uns die Tafel über einstige Feierlichkeiten in Dresden. Mitte Juni 1889 beging das Haus Wettin den 800. Jahrestag seines Bestehens. 1089 hatte der  deutsche Kaiser Heinrich IV. den Wettiner Heinrich I. von Eilenburg mit der Mark Meißen belehnt. Die Wettiner herrschten in Sachsen bis 1918. Zu besagtem Fest wurde eine  Medaille in 5 Mark-Größe herausgegeben. Vielerorts in Sachsen pflanzte man Bäume wie auch bei uns. In Hainewalde wurde sogar eine Ausflugsgaststätte eröffnet, die längst schon wieder verschwunden ist:  die Wettin-Baude auf dem Hutberg, jenseits des Mandautales. Ob im ehemaligen Gasthof „Zum goldenen Euter“ schon Karasek eingekehrt ist, wird zwar erzählt, wir können es aber nicht belegen. Der Ortsteil Sorge (Neu-Mittelleutersdorf) entstand um 1800 oder kurz danach.

                     Aufnahme um 1910, Sammlung Arnold                                                                                                                            Anzeige 1889, OL Dorfzeitung

                           

                                                                                                                                                                            

Im Bild ist die Eiche in jungen Jahren zu sehen. Davor steht heute eine Bank. Wir biegen nun links ab und unsere Enklavegrenze verläuft oben an der Hecke parallel zum Sorgeweg.

 

                                                Gemälde Siegfried Neumann

 

Nach den Bahnschienen geht es rechts in den Friedhofsweg. Hier auf dem Neuen Friedhof ist das Grab der Marie v. Koenneritz, die in Oberleutersdorf im einstigen Gutshaus (Koenneritzgut) wohnte und 1962 starb. Sie war eine sehr fromme Frau, hat heimatkundliche Gedichte und das Weberbüchlein geschrieben. Außerdem gestaltete sie Spruchkarten, die sie vertrieb, manchmal verschenkte. Die Inschrift des Grabsteines haben wir 2020 erneuern lassen.

 

                                                                                                

 

Bald kommen wir am Feuerwehrdepot vorbei und an der Gemeindeverwaltung. Hier finden wir Orientierungs- und Infotafeln. Man kann sich auch das Wander-Prospekt zur Enklave kostenfrei holen.

 

                                                                          

 

Weiter folgen  wir nun der Pascherrunde nach Süden und gelangen zum ehemaligen Mittelkretscham.

 

                                                                     

                                                                               

 Es ist das große Gebäude in der Kurve rechts. Links stand einst das Schützenhaus, später „Kulturhaus“, das mit Gaststätte bis 1968 geöffnet war und längst abgerissen ist. Der Diska-Markt steht heute an dieser Stelle. Vor der evangelischen Christuskirche finden wir wieder eine große Orientierungstafel. Gegenüber der Kirche, die wie die katholische Kirche ein sehr schön gemustertes Dach hat und die 1865 ebenfalls von  Carl August Schramm erbaut wurde, stand das sächsische Zollhaus.

 

                                    

 

Wenn wir die Sachsenstraße überqueren, geht es sogleich in das Paschergässel hinein (etwas eng ist es hier an der Hecke entlang), direkt dem alten Grenzverlauf folgend, um den Uferweg zu erreichen.

 

                                                                           

 

Im Haus Uferweg 8 war das böhmische Zollhaus. Wir biegen rechts in die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße ein, die uns zum Oberkretscham führt. Hier müssen wir nicht vorbeigehen, wir können auch einkehren, falls wir uns zuvor über die Öffnungszeiten informiert haben. Dieses Traditionsgasthaus ist eines der wenigen Gastlichkeiten, die uns im Ort geblieben sind. Eine Stärkung und ein Gläschen in Ehren kann uns keiner verwehren, denn so eine Pascherrunden-Wanderung strengt schließlich auch ein wenig an. Schöne Bilder zur Karasekgeschichte versüßen uns den Aufenthalt.  Der Infotafel am Parkplatz entnehmen wir, dass Karasek und seine Räubergefährten hier im Sommer 1800 verhört wurden und für wenige Tage eingesperrt waren, ehe sie nach Bautzen überführt wurden.

 

                                             

 

Wir folgen nun der Geschwister-Scholl-Straße nach rechts, vorbei an der ehemaligen Oberen Schule, die zuletzt für die Unterstufe (Klassen 1-4) genutzt wurde und ab 2008 nur noch für Wohnzwecke dient. Bald kommen wir an unserem Schloss vorbei. Hier haben  wir nun auch eine kleine Infotafel zu diesem Gebäude angebracht.

 

                                                                                                                         

                                                                        

 

Das Rittergut Oberleutersdorf wurde 1735 durch Teilverkäufe aufgeteilt in die Güter Oberleutersdorf I,II und III  sowie Mittelleutersdorf. Das  Gebäude ist ein Neubau von 1828/29 (barockisierend über quadratischem Grundriss mit Säulen, Mansarddach). Dazu gehörten ein  Schlossteich und ein  Park, der bis an das ehemalige Tuchhaus heranreichte. 1958 wurden im Zuge der Straßenverlegung Bäume abgeholzt und diverse  Gebäude abgerissen. Im  Schloss gab es eine wertvolle Zinnsammlung aus dem 18. Jh. Der Vorgängerbau, das Herrenhaus von Leinwandfaktor Gottfried Glathe, stand etwas abseits. Hier fand in der Nacht vom 31.7. zum 1.8.1800 der letzte Einbruch der Karasekschen Räuberbande statt, der für sie zwar reiche Beute brachte, aber bald auch die Gefangennahme, denn man hatte Geldstücke verloren und somit  Spuren hinterlassen. Das obige Bild zeigt einen Stich von 1835 (Standort: hinter dem Gut, am möglichen Fluchtweg), wobei im rechten Teil der Oberkretscham und die alte Oberleutersdorfer Kirche zu sehen sind.

 

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Auf dem  Siedlungsweg geht es jetzt weiter durch den ehemaligen Gutshof. Wenn wir die Pension Neumann passiert haben, nehmen wir den Wiesenweg mit den alten Apfelbäumen bergan. Wir gelangen  zur Heinrichshöhe mit dem Sportplatz. Sehr schöne Ausblicke nach Osten erleben wir, wenn wir uns umdrehen. Ein Stück am Waldrand entlang wandern wir nun weiter und bald erreichen wir den Mühlenweg, auf dem wir links einbiegen. Hinauf zum Wacheberg führt dieser. Hier erblickt man ein tolles Landschaftspanorama.

 

                                                                

 

Die schöne Karasekbank hinter dem Windrad für die warme Jahreszeit hat 2014 Karasekdarsteller Sven Heine angefertigt und der Gemeinde geschenkt. Eine Schatztruhe, Karaseks Jacke und der Dreispitz als Hut sind integriert. Dazu haben wir die große Tafel, die uns die Aussicht auf die Berge sowie landschaftliche Besonderheiten erklärt. Zwei weitere Infotafeln erläutern uns die Abflussverhältnisse und die Windkraftnutzung.

Gemeinsam mit dem  Gebietswanderweg (roter Punkt) geht es nun wieder an der alten Grenze der Enklave hinunter in den Leutersdorfer Ortsteil Neuwalde zu unserem Ausgangsort. Neuwalde wurde vor 1719 auf Niederleutersdorfer Flur innerhalb der böhmischen Enklave gegründet („Neue Welt“). Die heutige Karasekschenke war einst das Haus des Forstverwalters vom Oberleutersdorfer Rittergut und steht knapp außerhalb der ehem. Enklave. Es wurde nach 1700  erbaut. Die Schenke steht rechts des Weges, also auf sächsischer Seite, links ist weiterhin ehemals böhmisches Gebiet. Die alte Grenze verläuft weiter geradeaus zum Dreieckerstein, welcher an der  Flurgrenze zu Neugersdorf steht.  Spezielle Markierungen in Leutersdorf weisen auf die historische Grenze hin, so auch hier. Von mindestens 1865 an bis 1969 war das „Forsthaus Neuwalde“ dann ein beliebtes Gasthaus.

 

                                                           

 

Erst 1998 hat die jetzige Wirtsfamilie das Lokal nach umfangreichen Rekonstruktionsmaßnahmen neu eröffnet. Der Name Karasekschenke kann darauf  beruhen, dass die ersten im Sommer 1800 aufgegriffenen Mitglieder der Räuberbande hier  festgehalten wurden, denn deren verhängnisvoller letzter Einbruch war unweit von hier erfolgt. Es kann aber auch daran liegen, dass die Erinnerung an Karasek von der einstigen Kreibichschenke auf das hiesige Haus übertragen wurde. Der Wirt hält in Zusammenarbeit mit dem Wegewart  interessante Informationen bereit, so über die abgebildeten Räuber im Höllewinkel und das Wander-Prospekt zur Enklave.

Siehe auch: unter Heimatgeschichte, Karasekrunde,  7 Runden ab Karasekschenke sowie im Gemeindeblatt Leutersdorf 3/2017 S.3-5 

Auf der großen Tafel am Parkplatz stehen neben der Pascherrunde und der Karasekrunde noch weiter 5 Empfehlungen für Rundwanderungen.

 

Strecke:   11 km

Text und Fotos:  Dietmar Eichhorn, Wegewart und Gästeführer Leutersdorf            

Quellen: 4 alte AK, 1 alter Stich, 1 histor. Karte: Sammlung D.Eichhorn, 1  Buchtitel: Lusatia-Verlag, 1 Zeichnung: Verlag Teller&Roßberg, 2 x Image: karasek.de

aktualisiert:  1/2021

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